Heimatbewahrer und naturverbundenes Leben

Seit mehr als vierzig Jahren lebt Sepp Schleicher mit seinen Pferden, Rindern, Hühnern, Ziegen und Gänsen auf einem kleinen Einödhof im Oberpfälzer Jura. In all diesen Jahren ist seine Verbindung und Verwurzelung in dieses Land gewachsen. Jeder Baum, jeder Strauch, jeder Vogel, jede Fledermaus, jeder Igel, jeder Bach und jede Quelle, jeder Winkel seines Hofes und Hauses sind ihm heilig geworden. Alles betrachtet er mit Liebe und Wachsamkeit. Nichts darf missbraucht, beschmutzt oder zerstört werden …

So hat er seinen alten Walnussbaum sorgsam von der renovierten Scheune umbauen lassen. Unter ihm sitzt er mit seinen Lieben im Sommer, von Sonne und Fliegen beschützt. Ihn zu fällen wäre ihm nie in den Sinn gekommen.

Nach und nach hat er neue Birken, Kastanien und Obstbäume auf den Weiden der Pferde und Rinder gepflanzt, die den Rossberghofern in der Hitze der Sommer Unterstand bieten. Mit großer Liebe und viel Zeiteinsatz pflegt er die Hecken, die fast alle Weiden umgeben. So kam dieses Jahr nach fast vierzig Jahren der Wiedehopf wieder zurück.

Von den Wiesen werden die herunterfallenden Äste abgesammelt, sie werden nach jeder Beweidung nachgemäht.  Natürlich wird nirgends Gift verwendet, weder im Garten noch auf dem Land.

Ein alter Hohlweg mit seinen Felsen neben einer der Wiesen, der schon lange nicht mehr benutzt wurde, wird von ihm wieder in seiner Schönheit gesehen und Schritt für Schritt wiederhergestellt.

So ist ihm dieser Fleck Erde, eingebettet in die schöne Jura-Landschaft, zur Heimat geworden.

Und dieser Heimatbegriff weitet sich immer mehr aus auf alles, was ihn umgibt.

So verletzt ihn jeder Steingarten im Dorf, jedes Gewerbegebiet, das sich in die Landschaft frisst, jede Schneise, die für ungehinderten Autoverkehr in die Wälder und Felder geschlagen wird, jeder Zigarettenstummel und jedes Papiertaschentuch, die achtlos auf den Weg geworfen werden, jeder Bauer, der meint, er müsste sein Land vergiften, um leben zu können.

e Heimat bewahren bedeutet für ihn aber auch, das, was vor ihm hier war und die Menschen, die vor ihm hier gelebt haben, zu achten und zu ehren.

So hat er sein kleines Haus, das aus dem 19ten Jahrhundert stammt, mit Liebe und Bedacht renoviert, so dass es seine Geschichte behalten und zeigen darf. Liebevoll ist es mit Efeu und Wein bewachsen.

Die Kutschfahrten auf alten, verträumten Wegen werden zu Festfahrten, mit schönen Kleidern, oft in Tracht und mit Picknicks auf denen vom Rossberghofer Dreigesang auch die alten Volksliedern gesungen werden. Ein alter Römerweg, der an seinem Hof vorbeigeht, läßt ihn vor Ehrfurcht erschaudern, welche Schicksale, bestimmt oft schwer und wechselvoll, dieses Land schon gesehen hat.

Damit möchte er auch jedem ans Herz legen, unsere Heimat ohne Angst, mit ganzem Einsatz zu achten und zu ehren. Wir müssen mit aller Kraft für sie eintreten und sie schützen. Wir brauchen sie heil und ganz, damit auch unsere Seele und unserer Inneres heil und ganz werden können.


Rettet den uralten historischen Hohlweg in Sengenthal und seine Artenvielfalt:
UNKRAUT – Modern, frisch und widerborstig berichtet UNKRAUT über neueste Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz, aber auch über Umweltsünden. Das Umweltmagazin des Bayerischen Rundfunks hat am 01.03.2021 um 19:00 Uhr einen Bericht über den Winnberger Hohlweg gesendet, der unbedingt gerettet werden muss:

Helft mit, die letzten Paradiese unserer Heimat zu bewahren!

Ein Tag im Herbst und seine Folgen

 

Nach fast zwanzig Jahren Samainhof möchte ich einen Blick zurück werfen auf die Anfänge, auf wichtige Begebenheiten. Eine davon war die Einladung zum Roßberghof, Sepp’s Zuhause, um dort für einen Tag im Herbst die umliegenden Wälder zu pflegen. Bäume und Büsche mussten geschnitten werden, das gesammelte Brennholz war auf Länge zu bringen und zu stapeln. …

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Für mich war das damals ein großes Ereignis, Arbeiten in der Natur kannte ich ja, aber in einer Gruppe von Freunden, die sich schon eine ganze Weile gut kannten – das war etwas Besonderes. Und das fing schon beim Frühstücken an: Nicht bloß etwas zu Essen zu bekommen, sondern einen üppigen und liebevoll gedeckten Tisch, der alles bereit hält, was man sich nur wünschen kann. Das Gespräch am Tisch war locker, aber bedacht. Mir fiel es nicht leicht, mich in dieser Runde nicht ständig mit klugen Bemerkungen nach vorne zu drängeln. Und das war bereits der erste wichtige Schritt – einen Tag mit Freunden zu verbringen, einander zu kennen – Stärken und Schwächen. Wozu ist dann noch Angeberei nötig?

Es war herrlich, auf diese Art entlastet zu sein, und zu warten bis ein wirklich guter Moment war, etwas zu sagen. So wurde langsam aus einem Gespräche eine Art großes Augenzwinkern.

Nach dem Frühstück wurde das Werkzeug gesammelt: Beil, Hacke Heckenscheren, Motorsäge, einen Kanister mit Benzin, Ersatzkette, Säge und Rechen, Streichhölzer und Papier, etwas zum Trinken Wasser, Saft und Tee.

Vor Ort was die erste wichtige Aufgabe ein Feuer zu entfachen. Damit hatte man einerseits einen Platz, um sich etwas aufzuwärmen, andererseits mussten ja auch die Äste verbrannt werden.

Feuer machen ist eine Sache für sich. Wenn im Herbst oder Anfang Winter die ersten gehackten Äste noch feucht und biegsam sind, das Wetter kalt und nass, dann ist man froh, wenn sich einem das Streichholz überhaupt entzündet! Was man dabei lernen kann, ist dies: Auch diese scheinbar simple Tätigkeit ist mit Bedacht zu tun, zunächst genügend kleine und trockene Äste zu sammeln, und danach Schritt für Schritt die Flamme zu nähren. Es tat sich mir immer die Erinnerung an etwas ganz Archaisches auf. Zuerst ein Flämmchen, dann Qualm und das Beben, ob die Flamme hält, schließlich Knistern und Zischen und am Ende der herrliche Geruch des Feuers und natürlich seine Wärme.

In der Zwischenzeit ist die Arbeit im Wald bereits im Gange. Mit der Motorsäge werden Bäume gefällt und in Stücke geschnitten. Die Kronen werden geteilt und entastet. Was mitkommt, wird auf Länge geschnitten oder gehackt. Der Rest füttert das Feuer. Jeder arbeitet an seinem Platz und jeder Platz ist wichtig. Jeder arbeitet umsichtig, ein fallender Baum ist eine wirkliche Gefahr. Ich stocke und mir fällt dabei auf, das ich all das ohne Anstrengung und gerne tue. Ich schwitze, aber ich fühle, nach einer Woche Arbeit im Büro, das sich Körper und Geist für diese Art zu sein, bedankt. Der Haufen sorgsam gelängter Äste erfreut das Auge. Was für eine einfache und schöne Tätigkeit!

Wenn es Zeit ist eine Pause zu machen, setzt man sich ans Feuer und hängt, vom Spiel der Flammen inspiriert, den Gedanken nach. Manchmal will jemand gar keine Pause machen, er hackt wie ein Wilder an den Ästen herum, die sich fast spöttisch unter dem Hieb der Axt biegen und dann heftig zurück schnalzen. So findet hier jeder ganz seinem Temperament entsprechend, seinen Platz.

Gegen Ende des Tages lassen die Kräfte nach, jeder Handgriff will mit Bedacht ausgeführt werden. Zufrieden und glücklich kann jeder die geleistete Arbeit vor sich sehen. Es ist für Brennholz gesorgt, im Wald stehen die Bäume angenehm und licht und die herabgefallenen Äste sind versorgt.

Ist das Feuer niedergebrannt, geht es zurück zum Hof, wo sich alle schon auf ein tolles Abendessen freuen.

Das Wichtige, was mir dabei einfällt ist Folgendes: Ich spürte damals die Sehnsucht nach einem Zuhause aufkeimen und danach, es mit aller Bedacht pflegen und beschützen zu können. Dieser Wunsch hat sich nach Jahren schließlich erfüllt. Ein eigener Hof, den ich mit Freunden aufgebaut habe. Unser Samainhof – was für eine Perle. Möge er noch lange hoch leben und die Erinnerung an die Anfänge wach bleiben!